Die gesetzliche Rentenversicherung

Die gesetzliche Rentenversicherung

Das Prinzip der gesetzlichen Rentenversicherung ist einfach: Während des Arbeitslebens werden Versicherungsbeitäge gezahlt. Wer ein bestimmtes Alter erreicht hat, kann den Lebensabend dann genießen, anstatt den Lebensunterhalt weiter durch Arbeit finanzieren zu müssen.

Wer zahlt in die gesetzliche Rentenversicherung?

Nicht alle Menschen zahlen in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Selbständige und Freiberufler sind beispielsweise nur in manchen Fällen dazu verpflichtet, sie haben allerdings die Möglichkeit freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen, um Rentenansprüche zu erwerben. Angestellte führen hingegen immer einen Teil ihres Einkommens an die Rentenversicherung ab.

Wer erhält die staatliche Altersrente?

Anspruch auf die Altersrente haben alle Menschen, die in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert sind.

Folgende Voraussetzungen müssen gegeben sein:

  • Erreichen eines bestimmten Alters
  • mindestens 5 Jahre versichert (Mindestversicherungsgrenze)

Der Rentenbeginn ist dabei unterschiedlich. Bisher lag die Regelaltersgrenze bei 65 Jahren, seit dem 1.1.2012 wird sie jedoch stufenweise auf 67 Jahre erhöht. Frauen, die vor 1952 geboren worden sind, haben zuweilen bereits mit 60 Jahren Anspruch auf die Altersrente für Frauen. Neben weiteren Sonderregelungen besteht zudem die Möglichkeit auch früher Rentenleistungen in Anspruch zu nehmen, dies allerdings nur mit Abstrichen.

Wie aber genau finanziert sich die Rentenversicherung?

Das Umlageverfahren

Die Deutsche Rentenversicherung finanziert sich mittels eines Umlageverfahrens. Das bedeutet, dass die eigenen Beiträge nicht für die späteren Rentenansprüche angespart werden. Die Rentenversicherungsbeiträge werden vielmehr direkt zur Finanzierung der laufenden Leistungen verwendet. Als Gegenleistung erwirbt der Einzahler jedoch einen Anspruch auf spätere Rentenzahlungen, die dann von der kommenden Generation bezahlt werden sollen. Zwar ist es der Rentenversicherung trotz des Umlageverfahrens möglich Rücklagen zu bilden, diese dienen aber mehr dazu finanziellen Schwierigkeiten vorzubeugen, als persönliche Rücklagen für die aktuellen Leistungserbringer zu schaffen.

Der Generationenvertrag
Gesetzliche Rente fällt immer geringer aus
Im Alter von staatlicher Rente leben

Das Umlageverfahren basiert dabei auf dem Generationenvertrag. Dabei leistet die jeweils aktuell berufstätige Generation Beiträge, um die Zahlungen an die Leistungsempfänger aufzubringen. Dafür soll dann später eine jüngere Generation die Rentenzahlungen der jetzigen Leistungserbringer zahlen. Aufgrund des demografischen Wandels ist dieses Modell jedoch ins Wanken geraten. Langfristig ist es fraglich, ob die Versicherungsbeiträge der Leistungserbringer ausreichen werden, um die Renten zu finanzieren, zumal die gesetzliche Rentenversicherung einkommensorientierte Bemessungsrichtlinien hat, um die individuelle Beitragsbelastung zu begrenzen. Voraussichtlich werden also die Versicherungsbeiträge nicht ins Unermessliche steigen, sondern vielmehr die Rentenleistungen geringer ausfallen. Die private Altersvorsorge gewinnt für den Einzelnen daher immer mehr an Bedeutung, um den Lebensstandard im Alter zu erhalten.

Übrigens: Die Deutsche Rentenversicherung finanziert nicht nur die Altersrenten. Auch Erwerbsminderungs- oder Berufsunfähigkeitsrenten, Witwen- und Waisenrenten, Erziehungsrenten, aber auch Rehabilitationsmaßnahmen und andere versicherungsfremde Leistungen werden durch die Rentenversicherung finanziert.

Grundlagen der Rentenberechnung

Grundsätzlich erhält man durch die Einzahlung von Rentenversicherungsbeiträgen einen Anspruch auf den späteren Rentenbezug. Jedoch ist nicht nur eine Beschäftigung auf die Rentenzeiten anrechenbar.

Denn auch die Erziehung von Kindern, Ausbildungszeiten oder Zeiten der Erwerbslosigkeit werden auf die Rente angerechnet. So soll verhindert werden, dass beispielsweise Eltern benachteiligt werden, wenn sie sich zeitweise der Erziehung ihrer Kinder widmen. Auch Menschen, die vor Eintritt in die Altersrente erwerbsunfähig werden, können die Zeit der Erwerbsunfähigkeit auf die Altersrente anrechnen lassen.

Rentenversicherungszeiten und Entgeltpunkte

Beitragszeiten und Anrechnungszeiten werden jeweils mit Rentenpunkten bzw. Entgeltpunkten angerechnet. Je nachdem wie viele Rentenpunkte man bis zum Rentenbeginn angesammelt hat, erhält man dann entsprechend Rente.

Die Rentenpunkte richten sich nach dem jeweiligen Durchschnittseinkommen – wer also ein Einkommen über dem Durchschnittseinkommen erzielt, erhält für den gleichen Zeitraum anteilig mehr Rentenpunkte gutgeschrieben und kann später auch höhere Rentenansprüche geltend machen. Aus diesem Grund richtet sich der spätere Rentenanspruch sowohl nach der Dauer der Einzahlungen als auch nach der Höhe der Rentenversicherungsbeiträge sowie der Art und Länge von Anrechnungszeiten.

Nicht nur Altersrenten werden nach diesem Prinzip berechnet. Da sich beispielsweise auch Waisenrenten aus den Rentenansprüchen der Verstorbenen ableiten, werden auch hier Rentenpunkte für die Berechnung der Leistungsansprüche herangezogen. Mehr zur Rentenformel erfahren Sie hier.

Werte der Rentenversicherung

Beim Thema gesetzlich Rente fällt es vielen Menschen schwer bei den vielen Grenzen und Faktoren den Überblick zu behalten.

Fest steht: Wer gesetzlich rentenversichert ist, muss mit einem Rentenversicherungsbeitrag von 18,9 Prozent des Bruttoeinkommens rechnen. Dieser wird je zur Hälfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer getragen, nur bei der Knappschaftsversicherung ergibt sich der Beitrag für den Arbeitgeber aus der Differenz zwischen allgemeinen und knappschaftlichen Beitragssatz.

Freiwillig rentenversicherte Selbständige zahlen hingegen einen Mindestbetrag von 78,40 Euro, pflichtversicherte Selbständige einen Regelbetrag von 514,50 Euro/West bzw. 439,04 Euro/Ost.

Hinzuverdienst im Alter

Bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze gibt es für Rentner die Möglichkeit bis zu einem gewissen Rahmen nebenbei zu arbeiten, ohne dass diese Einkommen auf die Rente angerechnet wird. Die Hinzuverdienstgrenze liegt bei Vollrenten bei 400 Euro monatlich und steigt bei Teilrenten weiter an. Bei einer Drittel-Teilrente liegt die Hinzuverdienstgrenze beispielsweise in den alten Bundesländern ab dem 1.7.2012 bei 984,38 Euro. Wer die Regelaltersgrenze bereits erreicht hat, muss sich jedoch keine Gedanken machen – hierbei kann ohne Einschränkungen nebenbei gearbeitet werden, ohne das es zu einer Minderung der Rente kommt.

Der demographische Faktor

Diagramm zum Umlageverfahren in der gesetzlichen Rente

Überalterung der Bevölkerung, deutlich gestiegene Lebenserwartungen, Geburtenrückgang sowie kürzere Lebensarbeitszeiten sorgen dafür, dass immer weniger Versicherte für immer mehr Rentner zahlen müssen. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht. Hinzu kommt die hohe Arbeitslosigkeit, denn in die Rentenkasse zahlen nur Arbeitnehmer, die eine Beschäftigung haben und Sozialversicherungsbeiträge abführen.In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit fließt daher weniger Geld in die Rentenkassen, somit verschiebt sich das ungünstige Verhältnis von Einzahler zu Rentnern.

Die Zukunft der gesetzlichen Rentenversicherung

Die unausweichliche Folge dieser Tendenzen ist, dass das Leistungsniveau der gesetzlichen Rente seit Jahren stagniert und abgesenkt wird. Eigenverantwortung ist daher heute wichtiger denn je – wenn Sie Ihr Leben im Ruhestand genießen und finanziell gut versorgt sein wollen, müssen Sie rechtzeitig selbst vorsorgen.