Medizinische Rehabilitationsleistungen der Deutschen Rentenversicherung

  • Alle Reha-Leistungen auf einen Blick
  • Umfassendes Fachwissen zur Reha
  • Tipps von Experten

Die Deutsche Rentenversicherung bietet Menschen je nach persönlicher Situation eine Vielzahl von Rehabilitationsmaßnahmen, durch die sie länger am Erwerbsleben teilnehmen können. Gründe für das Ausscheiden sind meist gesundheitliche Einschränkungen. Die Rehabilitationsleistungen erstrecken sich von medizinischen Maßnahmen über Umschulungen bis hin zur Wiedereingliederung in die Arbeitswelt.

Wieso gibt es Rehabilitationsleistungen?

Laut der Deutschen Rentenversicherung müssen jährlich rund eine Million Menschen einen beruflichen Neuanfang wagen oder ihren Beruf komplett aufgeben, da sie starke gesundheitliche Probleme bekommen. Die Rehabilitation soll das vorzeitige Ausscheiden aus dem Erwerbsleben verhindern oder um einige Jahre verschieben. In der Rentenversicherung gilt der Grundsatz „Reha vor Rente“. Daher wird erst eine vorzeitige Rente gezahlt, wenn die Gesundheit eines Versicherten nicht mithilfe einer Rehabilitationsmaßnahme ausreichend verbessert werden kann.

Die unterschiedlichen Rehabilitationsmaßnahme

  • Medizinische Rehabilitation: Voraussetzungen & Antragsverfahren
  • Rehabilitationssport und Nachsorge
  • Anschlussrehabilitation: Voraussetzungen & Kosten und finanzielle Absicherung
  • Rehabilitation nach Krebserkrankungen: Voraussetzungen & Antragsverfahren
  • Suchtrehabilitation: Voraussetzungen, Antragsverfahren & Kosten und finanzielle Absicherung
  • Rehabilitation für Kinder und Jugendliche: Voraussetzungen & Kosten und finanzielle Absicherung
  • Berufliche Rehabilitation: Voraussetzungen, Kosten & finanzielle Absicherung
  • Ausschlüssgründe

Medizinische Rehabilitation

Die medizinische Rehabilitation richtet sich an Versicherte der Deutschen Rentenversicherung, deren Erwerbsfähigkeit durch eine Erkrankung erheblich gefährdet wird oder schon gemindert ist. Normalerweise sind Betroffene dazu ganztägig für drei Wochen in einer Rehabilitationseinrichtung untergebracht.

Trennstrich

Voraussetzungen

Damit eine medizinische Rehabilitation bewilligt wird, muss der Antragssteller entweder erwerbsgemindert sein oder kurz davor stehen.

Zu den versicherungsrechtlichen Voraussetzungen zählen:

  • Mindestversicherungszeit bei der gesetzlichen Rentenversicherung (Wartezeit) von 15 Jahren
  • Bezug einer Erwerbsminderungsrente
  • Bezug einer großen Witwenrente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit
  • Zahlung von Pflichtbeiträgen für eine versicherte Beschäftigung für sechs Monate innerhalb der letzten zwei Jahre vor Antragsstellung
  • Zwischen Ende der Ausbildung und Antragsstellung sind maximal zwei Jahre vergangen, in denen eine versicherte Beschäftigung oder selbständige Tätigkeit ausgeübt wurde

Die Wartezeit verringert sich auf fünf Jahre, wenn die Erwerbsfähigkeit gemindert ist oder dies droht.

Trennstrich

Antragsverfahren

Das Antragsverfahren ist vom jeweiligen Rentenversicherungsträger abhängig. Handelt es sich um die Deutsche Rentenversicherung Rheinland oder Westfalen, geben diese ein medizinisches Gutachten in Auftrag. Beim Träger Deutsche Rentenversicherung Bund können sich Versicherte entscheiden, ob sie sich von einem Gutachter begutachten oder von ihrem behandelten Arzt einen Befundbericht erstellen lassen. Für alle anderen Rentenversicherungsträger wird ein Befundbericht des Arztes benötigt.

Rehabilitationssport und Nachsorge

Unmittelbar nach einer medizinischen Rehabilitation kann sich eine Rehabilitationsnachsorge anschließen. Sie soll den Erfolg der Reha festigen und das Erlernte in den Alltag übertragen. Der Rehabilitationssport eignet sich besonders für Personen mit Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen sowie nach Unfällen und Operationen, die die Bewegungsorgane betroffen haben. Der Sport bzw. das Funktionstraining ist auf sechs Monate angesetzt und muss spätestens drei Monate nach Ende der medizinischen Rehabilitation in Anspruch genommen werden

Anschlussrehabilitation

Die Anschlussrehabilitation (AHB) ist eine besondere Leistung der medizinischen Rehabilitation. Nur bei bestimmten Krankheiten kann sie beantragt werden. Diese Reha schließt sich einer stationären Krankenhausbehandlung an und muss binnen zwei Wochen nach Entlassung beantragt werden.

Trennstrich

Voraussetzungen

Da die Anschlussrehabilitation eine spezielle Form der medizinischen Rehabilitation ist, gelten für sie die gleichen versicherungsrechtlichen Voraussetzungen.

Trennstrich

Kosten und finanzielle Absicherung

Der zuständige Rentenversicherungsträger übernimmt alle Kosten für Reise, Verpflegung, medizinische Anwendungen, Unterkunft, therapeutische Leistungen und ärztliche Betreuung. Maximal 10 Euro für höchstens 14 Tage im Jahr müssen Versicherte zuzahlen, wenn die Anschlussrehabilitation stationär erfolgt. Die genaue Höhe der Zuzahlung hängt vom Einkommen ab. Sofern das Gehalt während der Rehabilitationsleistung aus verschiedenen Gründen nicht mehr gezahlt wird, können Arbeitnehmer das Übergangsgeld der Rentenversicherung in Anspruch nehmen. Dieses wird für die Dauer der Reha-Maßnahme bewilligt.

Rehabilitation nach Krebserkrankungen

Die gesetzliche Rentenversicherung bietet als Reha-Maßnahme auch eine sogenannte onkologische Rehabilitation an. Dabei handelt es sich um medizinische Leistungen nach einer erstmaligen bösartigen Krebsbehandlung. Im Mittelpunkt stehen die körperlichen und seelischen Folgen der Tumorerkrankung.

Trennstrich

Voraussetzungen

Für eine Rehabilitation nach einer Krebserkrankung müssen folgende medizinische Bedingungen erfüllt sein: entsprechende Diagnose und abgeschlossene Erstbehandlung. Zudem müssen die Folgen der Erkrankung therapierbar sein. Damit sind nicht nur körperliche, sondern auch soziale, psychische und seelische Auswirkungen gemeint. Schließlich muss die betroffene Person für die Reha belastbar sein. Außerdem müssen die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen der medizinischen Rehabilitation erfüllt sein.

Trennstrich

Antragsverfahren

Die Formulare für den Antrag erhalten Versicherte bei der Rentenversicherung, bei Auskunfts- und Beratungsstellen und bei den Gemeinsamen Servicestellen für Rehabilitation. Wenn der Antrag bewilligt wird, meldet sich die Rentenversicherung und teilt dem Versicherten den Ort, die Zeit und die entsprechende Rehabilitationseinrichtung mit.

Sucht-Rehabilitation

Eine weitere Form der Rehabilitation der Deutschen Rentenversicherung stellt die Entwöhnungsbehandlung bei Suchtkranken dar. Dabei wird bei der Behandlung Rücksicht auf psychische, soziale und medizinisch-therapeutische Aspekte genommen.

Trennstrich

Voraussetzungen

Auch für die Sucht-Rehabilitation gelten die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen einer medizinischen Rehabilitation, etwa die Mindestversicherungszeit von 15 Jahren. Hauptsächlich finden die Entwöhnungsbehandlungen Anwendung bei Alkohol-, Drogen- und Medikamentenabhängigen.

Trennstrich

Kosten und finanzielle Absicherung

Die Rehabilitanden müssen – abhängig von ihrem Einkommen – maximal 10 Euro am Tag für Reisekosten, Unterkunft, therapeutische und andere Leistungen zahlen. Dabei ist die Zuzahlung auf höchstens 42 Tage im Jahr begrenzt. In bestimmten Fällen zahlt der Rentenversicherungsträger ein Übergangsgeld für die Dauer der Sucht-Rehabilitation, sodass eine finanzielle Absicherung gewährleistet ist.

Trennstrich

Antragsverfahren

Zunächst müssen Betroffene den ersten Schritt machen und einen Antrag auf die Entwöhnungsbehandlung bei ihrem Rentenversicherungsträger stellen. Dazu brauchen sie einen aktuellen Befundbericht und den Sozialbericht einer Suchtberatungsstelle, in dem die Behandlung empfohlen wird. Die Suchtberatung weist im Bericht auch auf Besonderheiten wie eine eventuell benötigte Kinderbetreuung oder therapeutische Schwerpunkte hin.

Rehabilitation für Kinder und Jugendliche

Wenn Kinder und Jugendliche in jungen Jahren erkranken, kann dies langfristige Folgen mit sich ziehen. Eine mögliche Auswirkung: die Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit im Erwachsenenalter. Aus diesem Grund bietet die Deutsche Rentenversicherung die Rehabilitation für Kinder und Jugendliche an.

Trennstrich

Voraussetzungen

Eine wichtige Voraussetzung für die Kinderrehabilitation ist, dass durch sie die Gesundheit des Kindes verbessert oder wiederhergestellt werden kann. Auf der Internetseite der Deutschen Rentenversicherung werden folgende Erkrankungen aufgezählt, für die diese Reha-Maßnahme insbesondere gilt:

  • Atemwegs-
  • Haut-
  • Herz-Kreislauf-
  • Leber-, Magen-, Darm-
  • Nieren-, Harnwegs- und
  • Stoffwechselerkrankungen
  • Erkrankungen des Bewegungsapparates
  • Allergien
  • Neurologische Erkrankungen
  • Verhaltensstörungen
  • Übergewicht

Ein Elternteil muss für die Bewilligung der Reha die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen der medizinischen Rehabilitation erfüllen.

Berufliche Rehabilitation

Dazu werden den Betroffenen unter anderem technische Hilfen, Wohnungshilfen oder ein Gründungszuschuss bereitgestellt. Die berufliche Rehabilitation bzw. Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben richtet sich an alle gesetzlich Rentenversicherte, die trotz gesundheitlicher Probleme weiter an ihrem Arbeitsplatz bleiben, komplett neu anfangen oder sich aus- bzw. weiterbilden wollen. Einerseits soll mit dieser Leistung die Erwerbsfähigkeit erhalten und andererseits ein neuer Berufsweg eröffnet werden.

Trennstrich

Voraussetzungen

Die berufliche Rehabilitation ist für die Personen gedacht, die ihrer Arbeit aufgrund von gesundheitlichen Einschränkungen nicht mehr nachgehen können. Die versicherungsrechtlichen Bedingungen decken sich mit denen für die medizinische Rehabilitation.

Trennstrich

Kosten und finanzielle Absicherung

Bei der beruflichen Rehabilitation müssen Betroffene keine Zuzahlungen leisten. Alle Kosten werden vom Rentenversicherungsträger übernommen, unter anderem für die Sozialversicherung. Zudem zahlt die Deutsche Rentenversicherung während der Reha ein Übergangsgeld, das unter bestimmten Umständen auch noch nach Ende der Leistung gezahlt wird. Darüber hinaus kommt die Rentenversicherung für Kosten auf, die beispielsweise für eine Haushaltshilfe oder für die Kinderbetreuung anfallen.

Ausschlussgründe

Es gibt bestimmte Personen, die die Reha-Leistungen nicht beanspruchen dürfen. Können Betroffene gleichartige Leistungen von der Unfallversicherung oder von einem anderen Rehabilitationsträger erhalten, besteht kein Anspruch auf die Rehabilitationsmaßnahmen der Rentenversicherung. Ausgeschlossen sind zudem Beamte, Pensionäre oder diesen gleichgestellten Personen.

Trennstrich

Weitere Ausschlussgründe

Darüber hinaus gibt es für die medizinische, berufliche, Sucht- und Anschlussrehabilitation weitere Ausschlussgründe, wenn:

  • eine Altersrente (mindestens zwei Drittel der Vollrente) bezogen wird oder beantragt wurde
  • Betroffene dauerhaft aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind und eine betriebliche Versorgungsleistung beziehen
  • Antragsteller im Gefängnis sitzen (Untersuchungshaft und Vollzug einer Freiheitsstrafe)

Weitere Informationen: